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Jacques Gelee & die Kofferträger

1995 – 1997

Nachdem sich die JIVIN‘ RASCALS aufgelöst hatten, suchten Thorsten und ich nach einem
neuen Konzept. Nach fast 10 Jahren klassischen Rock and Roll und Jive wollten wir mal etwas Anderes machen.
Da die Rock‘n‘Roll-Szene immer kleiner wurde, überlegten wir wie man vielleicht eine etwas grösseres Publikum ansprechen könnte. Der Plan wurde geboren, Musik, die im Radio rauf und runter gedudelt wird, im Rock‘n‘Roll-Stil zu spielen.

Die Idee war nicht wirklich neu, BIG DADDY hatten schon vor Urzeiten ihr Album „Cutting Their Own Groove“ auf den Markt gebracht und auch BOPPIN‘Bs Album „Hits“ bestand aus solchem Material. Warum dann nicht wir auch?
Wir fingen also an, brauchbares „Liedgut“ zu finden.
Da stießen wir dann auch schon auf die ersten Probleme: Wir waren Rock‘n‘Roller und hatten solche Musik überhaupt nicht im Plattenschrank. Für einen Song, den man vielleicht ausprobieren wollte, mochten wir uns dann auch nicht gleich ein ganzes Album kaufen, mit Musik die man eigentlich gar nicht mag.

Also nervten wir unseren wir unseren ganzen Bekanntenkreis und wurden zu unserer Verblüffung häufig bei den Freundinnen unserer Kumpels fündig. Nachdem wir alles, was wir finden konnten zusammen getragen hatten, kam dann auch schon die nächste Enttäuschung:
Wenn man der Popmusik, die seinerzeit angesagt war, die aufgeblasenen Beats (die sich nun mal im Rock‘n‘Roll-Stil nicht umsetzen lassen) nimmt, bleibt nichts mehr nach. Und eine Melodie haben wir bei einigen Songs vergeblich gesucht.
Als Kompromiss nahmen wir einfach irgendwelche moderneren Lieder, die kein Rock‘n‘Roll sind und machten sie dazu – und wenn es dann doch Rock‘n‘Roll-Nummern waren, mussten sie irgendwie abgefahren sein.

Bei der Musikersuche griffen wir auf Tim zurück, der zuletzt noch bei JIVIN‘ RASCALS als Pianist dazu gekommen war. Er brachte noch über eine Arbeitskollegin einen Jamaikanischen Trommler namens Wilson mit an Bord. Wilson war ein Vollblut-Musiker, sprach aber leider nur spanisch und gebrochen englisch, was zum Teil die Proben nicht gerade einfach gestaltete. Aber egal – Das war abgefahren!
Da wir am Anfang des Bandprojektes standen, es noch einige Zeit ins Land gegangen wäre bis wir auftreten und evtl. Geld damit verdienen würden, verabschiedete sich Wilson nach ein paar Monaten von uns und suchte sich eine lukrativere Band.
Da wir voran kommen und keine weiteren Experimente mit neuen Trommlern machen wollten, fragten wir Ex-JIVIN‘ RASCAL Matze, mit dem ich zu der Zeit auch bei STRAIGHT TO THE BAR spielte, der sofort einwilligte.


Die Proben gingen gut voran und wir dachten, dass zu dem doch ziemlich beknackten Musikmix auch ein beknacktes „Image“ gehören müsse, also entstand bei einem lustigen Abend ein für mich, nach heutiger Sicht, recht merkwürdiges Konzept. Wir erschufen Fantasiefiguren mit vollständiger Biografie, in dessen Rollen wir dann schlüpften. Der Beweis, dass da wohl doch viel Alkohol im Spiel war, könnt Ihr dem offiziellen Presse-Info entnehmen.

Hier findet Ihr ein paar Recordings aus unserem Probenraum als Hörprobe aus dieser Zeit.

Wir gaben unsere ersten Auftritte, aber irgendwie war uns die Show noch nicht spektakulär genug. Uns kam der Gedanke, die ganze Geschichte durch Background-Sängerinnen aufzuwerten, wie es in den 80ern die ACE CATS taten.


Ich hatte bei einer Session zur Geburtstagsfeier der Frau von NYMONICS-Trommler Andreas einen Song mit Annouka, der kleinen Schwester des „Geburtstagskindes“ gespielt und wusste, dass sie eine gute Stimme hat.
Tim besorgte (mal wieder über seine Arbeitskollegin) Kerstin, die zweite Sängerin.
Nun hatten wir zwei Frauen in der Band, irgendwie mussten sie ja auch eingebunden werden. Beide konnten singen, hatten aber kaum Ahnung von Harmonie-Gesang – wir auch nicht. Ton für Ton im Chor wurde in einem langwierigen Prozess schwer erarbeitet. Mit der Zeit klappte es recht gut und wir spielten unsere ersten Auftritte mit den Mädels.

Hier findet Ihr ein paar Songs eines Live-Mitschnittes im Hamburger Knust als Hörprobe.

Alles lief soweit rund, die beiden Sängerinnen verstanden sich (was auch keine Selbstverständlichkeit ist), eigentlich hätte alles nicht besser sein können. – Eigentlich – Denn es gab ein neues Problem: Sowohl Thorsten, als auch ich hatten uns nun beide in Annouka verliebt. Wie die Gockel trieben wir unsere Psychospielchen und buhlten um ihre Anerkennung. Und so kam es wie es kommen musste. Thorsten und ich verkrachten sich –
Zwei langjährige Freunde sprachen kein Wort mehr miteinander und die Band löste sich auf…

Unabhängig von dieser Geschichte muss ich zu diesem musikalischen Konzept bemerken, dass es mir unglaublichen Spass gemacht hat, aber der „grosse“ Erfolg ausblieb. Ich hatte immer das Gefühl, das Publikum kann nichts damit anfangen. Die Rock‘n‘Roll – Szene hört lieber das Altbekannte und die Leute, die modernere Musik hören, wundern sich warum das alles so eigenartig klingt.
Na Ja – Es war ein Versuch…

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